Spielplan

ZWISCHEN KLASSIK UND JAZZ

Werke von Ellington, Beal und Gershwin

 
Dass einer wie Branford Marsalis keine Genregrenzen kennt, ist bekannt. Seine Kollegen vom New Yorker Orpheus Chamber Orchestra aber auch nicht! Und so präsentieren sie ein Programm zwischen Klassik und Jazz, das 100 Jahre amerikanische Musik umspannt: Sinfonische Streifzüge von Gershwin und Ellington, dazu Jeff Beals brandneues Saxofon-Konzert, eigens komponiert für Marsalis und das Orpheus Chamber Orchestra.



VICTORIA HALL GENÈVE · 13. MÄRZ 2027

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Der springende Punkt ist: Lasst mich doch mal in Ruhe mit den Konventionen. Alles ist möglich – das ist das Gefühl, mit dem ich gerne auf die Bühne gehe.
Branford Marsalis

ORCHESTER

ORPHEUS CHAMBER ORCHESTRA

Das Orpheus Chamber Orchestra ist ein radikales Experiment in musikalischer Demokratie. Orpheus entstand 1972, als der Cellist Julian Fifer eine Gruppe von New Yorker Freiberuflern Anfang zwanzig zusammenbrachte, um Orchesterrepertoire so zu spielen, als wäre es Kammermusik. In jener Zeit der Genossenschaften und Kommunen lehnten die idealistischen Orpheaner den «korporativen» Weg der Sinfonieorchester ab und lernten, als echtes Kollektiv zu spielen, Konzerte zu planen und zu bewerben, wobei die Führungsrollen bereits ab dem allerersten Auftritt rotierten. Nachdem sie die Kraft der direkten Kommunikation und der Aufgeschlossenheit innerhalb des Ensembles unter Beweis gestellt hatten, ist die einzige Beziehung, für die Orpheus nie Verwendung hatte, die zu einem Dirigenten. Auch künstlerisch schlägt sich dieser Spirit in einem ungemein lebendigen, verantwortungsbewussten Musizieren nieder, das dem Orchester zahlreiche Auszeichnungen einbrachte, darunter mehrere Grammy Awards. Die Bandbreite seines Repertoires reicht vom Barock bis zur Moderne.


SOLIST*IN

BRANFORD MARSALIS

Als Wanderer zwischen den Welten könnte man ihn bezeichnen: Branford Marsalis. Seinen Wurzeln im Jazz ist der Saxofonist aus New Orleans zwar immer treu geblieben, als Partner von Grössen wie Miles Davis, Dizzy Gillespie, Herbie Hancock und natürlich mit seinem eigenen Quartett, das 2026 sein 40-jähriges Bestehen feiert. Aber Marsalis suchte auch stets den Kontakt zu anderen Musikstilen: Er produzierte ein legendäres Album mit Sting, war an der Seite von Tina Turner und Grateful Dead zu hören und bewährte sich als Solist in Werken von Villa-Lobos, Glasunow und Schulhoff. Stets geht es ihm darum, «Gefühle in den Zuhörerinnen und Zuhörern zu wecken – das ist das Wichtigste.» Die Liebe zur Musik wurde ihm sprichwörtlich in die Wiege gelegt: Auch Marsalis' Vater Ellis und seine drei Brüder sind Jazzmusiker.


PROGRAMM

DUKE ELLINGTON: DUKE’S HARLEM – AN ELLINGTON SUITE (ARR. JEFF BEAL; SCHWEIZER PREMIERE)

Edward Kennedy Ellington – seit seiner Kindheit «Duke» genannt – ist eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der amerikanischen Musik des 20. Jahrhunderts, sowohl im Bereich des Jazz als auch der Konzertmusik. Bereits in den 1940er-Jahren erweiterte er sein künstlerisches Spektrum auf den symphonischen Bereich und wandte sich damit der Welt des Balletts, der Oper und des Musicals zu. Diese Suite von Jeff Beal – einem amerikanischen Komponisten, der vor allem für seine Filmmusik und Serienmusik («House of Cards») bekannt ist – feiert im Rahmen der Saison 2026/27 ihre Schweizer Premiere. Das Arrangement würdigt Duke Ellingtons Aufstieg im Harlem der 1930er-Jahre als Komponist und Orchesterleiter. Das speziell für das Orpheus Chamber Orchestra und Saxofonist Branford Marsalis komponierte Werk basiert auf einigen der bekanntesten Melodien des Duke: Rockin’ in Rhythm, Sophisticated Lady, In a Sentimental Mood und It Don’t Mean a Thing.


JEFF BEAL: CONCERTO FOR SAXOPHONE AND ORCHESTRA

Unter den zeitgenössischen Komponisten der USA ist Jeff Beal einer der vielseitigsten. Als Trompeter fest im Jazz verwurzelt, schreibt er auch Werke für Kino und Konzertsaal. Einem breiteren Publikum wurde er durch seine Filmmusiken zu den Serien «Monk» und «House of Cards» bekannt. Beals klassische Partituren zeichnen sich durch eine raffinierte Mischung festgelegter und improvisatorischer Anteile aus. Zu seinen Solokonzerten zählen Werke für Klarinette, Flöte, Trompete, Jazz-Bass – und nun, ganz aktuell, eines für den Saxofonisten Branford Marsalis und das Orpheus Chamber Orchestra, das die Komposition in Auftrag gab.


GEORGE GERSHWIN: AN AMERICAN IN PARIS. TONDICHTUNG FÜR GROSSES ORCHESTER

Die einen schreiben Postkarten, die anderen Musik. Von seinem Frankreich-Aufenthalt 1928 brachte George Gershwin ein brandneues Orchesterwerk mit, dem er den Titel «Ein Amerikaner in Paris» gab. Und tatsächlich fängt das Stück Eindrücke der quirligen Seine-Metropole ein, gesehen durch die Brille des Besuchers aus Übersee: vom Flanieren durch die Boulevards über Taxifahrten und Tanzvergnügen bis zum unvermeidlichen Blues. All das vermischt Gershwin zu einer Komposition, die Alte und Neue Welt, europäische Klassik und amerikanische Moderne miteinander versöhnt – hier in einer Bearbeitung für Kammerorchester durch Javier Diaz.


Migros-Kulturprozent-Classics ist Teil des gesellschaftlichen Engagements der Migros-Gruppe: 
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