Spielplan

GROSS DENKEN

Drei Klavierkonzerte von Beethoven

 
Drei Solokonzerte an einem Abend? Das wagen nicht viele Pianisten. Aber Kirill Gerstein, gerade erst mit dem Opus Klassik ausgezeichnet, denkt ohnehin in grösseren Dimensionen. Jazz spielt er ebenso selbstverständlich wie Klassik, gleichzeitig gibt er immer wieder neue Klavierwerke in Auftrag. Und mit dem Chamber Orchestra of Europe, laut BBC das «beste Kammerorchester der Welt», hat er ideale Mitstreiter für seinen Beethoven-Marathon gefunden.



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Beethovens Humor wird unterschätzt. Dabei birgt seine Musik grosse Schönheit, eine ausgefeilte Struktur und philosophische Tiefgründigkeit. Und genau diese Vielschichtigkeit ist ein Grund dafür, dass diese Musik seit Jahrhunderten der kritischen Betrachtung durch Tausende von Pianisten standhält.
Kirill Gerstein

ORCHESTER

CHAMBER ORCHESTRA OF EUROPE

Sein Name ist Programm: Im Chamber Orchestra of Europe haben sich Spitzenkräfte aus dem ganzen Kontinent zusammengefunden. Ihre frühere Heimat war das Jugendorchester der Europäischen Union; das Erreichen der Altersgrenze veranlasste im Jahr 1981 einige Mitglieder, ein Nachfolgeorchester zu gründen, das sich projektweise an unterschiedlichen Orten trifft. Als Dirigent und Mentor fungierte zunächst Claudio Abbado, später Nicolas Harnoncourt. Schon bald wurde das COE mit Preisen überhäuft, von Gramophone und Grammy Awards bis zum Opus Klassik. Als erstes Orchester überhaupt gründete man ein eigenes CD-Label, COE Records. Und die Weichen für die Zukunft sind gestellt, hat das laut BBC «beste Kammerorchester der Welt» mit Kronberg und Eisenstadt doch gleich zwei Orte für regelmässige Proben und Gastspiele gefunden.


SOLIST*IN

KIRILL GERSTEIN

Seine Heimat? Das Klavier! Kirill Gerstein, aufgewachsen im russischen Woronesch und nach Studienjahren in den USA heute in Berlin ansässig, konzertiert längst weltweit. Der Durchbruch gelang ihm 2000 in Zürich, anlässlich eines Auftritts mit dem Tonhalle Orchester. Es folgten Auszeichnungen beim Arthur-Rubinstein-Wettbewerb in Tel Aviv und als «Rising Star» der New Yorker Carnegie Hall; zudem erhielt er 2010 den hochdotierten Gilmore Artist Award. Zu seinen Einspielungen zählen Klavierkonzerte von Tschaikowsky und Prokofjew unter James Gaffigan sowie die Bratschensonaten von Brahms mit Tabea Zimmermann. Aber Gerstein bewegt sich auch stilistisch zwischen den Welten: Schon früh widmete er sich dem Jazz, dessen improvisatorischen Gestus und spezielles Timing er in seine klassischen Interpretationen einfliessen lässt.


PROGRAMM

LUDWIG VAN BEETHOVEN: KONZERT FÜR KLAVIER UND ORCHESTER NR. 2 B-DUR OP. 19

Womit stellt sich ein 24-jähriger Pianist aus dem Rheinland dem Publikum in Wien vor, der Stadt Mozarts? Natürlich mit einem Klavierkonzert – und zwar einem, das sowohl an die Qualitäten seines jüngst verstorbenen Vorgängers anknüpft als auch eigene Akzente setzt. Genau das zeichnet Ludwig van Beethovens B-Dur-Werk aus: Seine gesanglichen Themen und noblen Gesten erinnern ebenso an Mozart wie die zahlreichen Binnenkontraste und harmonischen Überraschungen. Spätestens mit dem widerborstigen Finalsatz aber zeigte der junge Komponist, dass er gewillt war, musikalisch seinen eigenen Weg zu gehen.


LUDWIG VAN BEETHOVEN: KONZERT FÜR KLAVIER UND ORCHESTER NR. 3 C-MOLL OP. 37

Wenn wir in Beethoven heute vor allem den Sinfoniker sehen, so darf man nicht vergessen, dass dieser Weg vom Klavier seinen Ausgang nahm. Noch bevor er sich mit der «Eroica» entscheidend von seinen Vorgängern Haydn und Mozart absetzte, gelang ihm dies in seinem dritten Klavierkonzert: Es ist sinfonisch angelegtes Solowerk und Seelendrama zugleich. Pathos, Düsternis und Trotz herrschen vor, um im Largo einem poetischen Gebilde von hochromantischem Zuschnitt zu weichen. Nicht umsonst wurde gerade dieses Stück mit der Lebensbeichte des «Heiligenstädter Testaments» in Verbindung gebracht.


LUDWIG VAN BEETHOVEN: KONZERT FÜR KLAVIER UND ORCHESTER NR. 5 ES-DUR OP. 73

1809 war ein schwieriges Jahr für Ludwig van Beethoven: Eine Stellenbewerbung scheiterte, sein Gehörleiden verschlimmerte sich, im Mai wurde Wien von den Franzosen besetzt. Sein in dieser Zeit vollendetes 5. Klavierkonzert schlägt trotzdem – oder gerade deswegen? – kämpferisch-trotzige Töne an. Marschrhythmen im 1. Satz scheinen sogar ganz konkret auf die politische Situation zu verweisen. Dafür ist der 2. Satz eine verinnerlichte, fast schon romantische Musik, bevor das Schlussrondo wieder tänzerischen Wirbel entfacht. Selbst auftreten konnte der Pianist Beethoven mit diesem Stück aber nicht mehr.


Migros-Kulturprozent-Classics ist Teil des gesellschaftlichen Engagements der Migros-Gruppe: 
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